Etappe 9 Gallo – Ferrara
Gallo – Cattolica – Riccione – Rimini – Ravenna – Russi – Ferrara | ca. 215 km
Nach einem wunderbaren Frühstück in unserer Unterkunft in Gallo – besonders die handgemachten Kuchen bleiben in Erinnerung – starten wir zur neunten Etappe unserer Reise.
Schon nach etwa 20 Minuten sehen wir erstmals die Adria, nach rund 40 Minuten erreichen wir bei Cattolica die Küste. Von dort geht es nordwärts. In Riccione legen wir einen kurzen Stopp ein: Schuhe aus, Füße in den Sand und ins Meer – und dazu der mittlerweile obligatorische Aperol Spritz.
Viel Verkehr und eine ungeeignete SS16
Rund um Rimini wird die Fahrt deutlich mühsamer. Der Verkehr ist enorm. Den Kurven der vergangenen Tage im Apennin folgen nun unzählige Kreisverkehre in der Ebene.
Für kurze Zeit versuchen wir es auf der SS16 Adriatica. Schnell wird klar: Das ist keine Straße für unsere 125er-Vespas. Mehrspuriger Verkehr und die hohen Geschwindigkeiten der Autos machen die Fahrt unangenehm. Wir verlassen die SS16 deshalb wieder und suchen uns kleinere Ausweichstrecken abseits der großen Verkehrsachsen. Das dauert zwar länger, entspricht aber unserem Reisestil.
Über Ravenna und Russi geht es schließlich hinein in die Po-Ebene. Die Landschaft könnte kaum gegensätzlicher zu jener des Vortages sein. Statt Bergen und engen Kurven bestimmen nun kilometerlange Geraden und flaches Land die Strecke. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Ferrara.
Ferrara und die Adelsfamilie Este
Ferrara zählt zu den bedeutendsten Renaissancestädten Italiens. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die Adelsfamilie Este, die die Stadt vom 13. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts beherrschte. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Ferrara zu einem wichtigen politischen und kulturellen Zentrum. Davon zeugen bis heute das mächtige Castello Estense, zahlreiche Palazzi und die außergewöhnlich geschlossen erhaltene Altstadt. Die von den Este geplante Stadterweiterung Addizione Erculea gilt als Meilenstein der europäischen Stadtplanung; Ferraras historisches Zentrum gehört heute zum UNESCO-Welterbe.
Eine ganze Altstadt wird zur Bühne
Bei unserer Ankunft haben wir besonderes Glück: In Ferrara findet gerade das Ferrara Buskers Festival statt. Die 39. Ausgabe läuft vom 26. bis 30. August 2026 und verwandelt die Straßen und Plätze der Altstadt in eine große Freiluftbühne. Mehr als 250 Künstler aus 19 Nationen sind angekündigt, jeden Abend finden über 60 Auftritte statt.
Musiker, Akrobaten, Jongleure und andere Straßenkünstler treten an unterschiedlichsten Plätzen auf. Das Besondere daran: Es gibt nicht die eine große Bühne. Man geht durch die Altstadt und stößt immer wieder auf neue Künstler und Darbietungen. Genau das ist das Prinzip: die Straße ist die Bühne.
Besonders begeistert uns die ungarische Formation Forbi, die ebenfalls im offiziellen Programm der diesjährigen Ausgabe aufscheint. Bei Brass-Musik und den vielen unterschiedlichen Künstlern aus aller Welt erleben wir Ferrara an diesem Abend in einer Form, wie wir es bei der Reiseplanung nicht vorhersehen konnten.
Unsere Unterkunft, das Princess Art Hotel, liegt am Rand der historischen Altstadt und damit ideal, um nach der langen Fahrt noch einmal zu Fuß loszuziehen.
Am Ende stehen heute wieder rund 215 Kilometer auf dem Tacho.























