Zeit für ein paar Worte über unsere Vespas

Schließlich haben sie uns auf dieser Reise über insgesamt 2.222 Kilometer durch Italien getragen – und beide haben die gesamte Strecke ohne technische Probleme überstanden.

Ich selbst bin mit einer Vespa PX 125 E, Baujahr beziehungsweise Erstzulassung 1996, unterwegs. Sie ist damit heuer genau 30 Jahre alt. Vier Gänge, Handschaltung und Zweitaktmotor – auf einer solchen Reise bedeutet das deutlich mehr Arbeit als auf einem modernen Roller. Vor allem in den Bergen wird ständig zwischen den vier Gängen gewechselt. Bergauf heißt es rechtzeitig zurückschalten und Schwung mitnehmen.

Die zweite Vespa ist mit rund 15 Jahren etwa halb so alt, ebenfalls eine 125er und entsprechend etwas moderner und ohne Handschaltung.

Benzin, Zweitaktöl und italienische Tankstellen

Bei meiner alten PX gehört neben Benzin auch das Zweitaktöl zur Grundausstattung. Über die gesamte Reise lag der Ölverbrauch bei knapp zwei Litern. Ein kleiner Vorrat ist deshalb immer mit dabei.

Beim Tanken fällt vor allem in Mittelitalien ein deutlicher Unterschied zu Österreich auf. Bei uns entwickeln sich Tankstellen immer mehr zu kleinen gesellschaftlichen Treffpunkten: Café, Supermarkt, Imbiss inklusive Bankomat. In Italien erleben wir häufig genau das Gegenteil. Viele Tankstellen bestehen praktisch nur noch aus den Zapfsäulen. Kein Personal, kein Shop, kein Kaffee – bezahlt und getankt wird ausschließlich über Automaten.

Der Benzinpreis lag auf unserer Reise im August 2026 im Schnitt bei ziemlich genau zwei Euro pro Liter.

Ohne Strom geht auch bei einer alten Vespa nichts mehr

So analog eine 30 Jahre alte Vespa auch sein mag, ganz ohne moderne Technik geht es heute kaum mehr. Die Navigation läuft während der gesamten Fahrt über das Smartphone. Eine zuverlässige Stromversorgung beziehungsweise eine zusätzliche Powerbank ist deshalb auf einer solchen Tour praktisch unverzichtbar.

Bei der Frage nach der idealen Navi-App bin ich nach 2.222 Kilometern allerdings noch immer nicht ganz entschieden. Google Maps, Calimoto und andere Lösungen haben jeweils ihre Stärken und Schwächen. Gerade mit einer 125er ist die Aufgabenstellung speziell: Wir wollen schöne Nebenstraßen fahren und Autobahnen sowie Schnellstraßen vermeiden, gleichzeitig aber auch nicht von der Navigation auf jeden noch so kleinen, steilen und kurvenreichen Bergweg geschickt werden. Für Tipps zur wirklich idealen Navi-App für solche Touren bin ich daher weiterhin dankbar.

Ein kleines technisches Highlight: unser Intercom

Sehr bewährt hat sich hingegen unsere Intercom-Anlage zwischen den beiden Helmen. Damit bin ich während der Fahrt ständig mit meiner Frau verbunden. Wir können Abzweigungen besprechen, auf Hindernisse aufmerksam machen oder spontan entscheiden, ob wir anhalten, eine Pause einlegen oder die Route ändern.

Gerade wenn man mit zwei Vespas über viele Tage und Tausende Kilometer unterwegs ist, möchte ich darauf inzwischen nicht mehr verzichten.

Und am Ende bleibt wohl die wichtigste Erkenntnis: 2.222 Kilometer durch Italien, zwei 125er-Vespas und kein einziges technisches Problem. Viel mehr kann man von seinen Reisebegleitern eigentlich nicht verlangen.

Etappe 12: Die letzte Etappe – zurück nach Schwaz

Salurn – Tramin – St. Michael – Bozen – Brixen – Brenner – Schwaz

Unsere zwölfte und letzte Etappe. Von Salurn geht es zurück nach Schwaz. Ab hier wird wieder Deutsch gesprochen. Wir sind in Südtirol angekommen – und damit der Heimat bereits ein gutes Stück näher.

Für die Fahrt Richtung Norden wählen wir eine Strecke, die wir mittlerweile gut kennen. Über die Südtiroler Weinstraße geht es Richtung Tramin und weiter nach Bozen.

Ein Abstecher nach St. Michael/Eppan darf dabei nicht fehlen. Das Dorf liegt eingebettet zwischen Weinbergen und Obstgärten und gehört zu den klassischen Orten entlang der Südtiroler Weinstraße. Noch einmal nehmen wir uns Zeit, bevor wir endgültig Kurs Richtung Brenner nehmen.

Überraschung in Brixen

In Brixen erwartet uns eine besondere Überraschung. Eine kleine Gruppe Schwazer Vespa-Freunde ist uns entgegengefahren und begrüßt uns dort. Aus unserer Zweiergruppe wird damit für die letzten Kilometer eine kleine Vespa-Runde. Gemeinsam gehen wir noch einmal italienisch essen.

Ein letztes Mal über den Brenner

Von Brixen fahren wir auf der Brennerstaatsstraße nordwärts. Sterzing, Brenner – Orte, die wir vor zwei Wochen bereits in der anderen Richtung passiert haben.

Auf Tiroler Seite geht es wieder über die alte Römerstraße Richtung Volders und schließlich weiter nach Schwaz. Damit schließt sich der Kreis genau dort, wo unsere Reise begonnen hat.

2.222 Kilometer

Als wir schließlich in Schwaz ankommen, zeigt unser Kilometeranzeiger genau 2222 km.

Vor allem sind wir dankbar, dass die gesamte Reise praktisch reibungslos verlaufen ist. Unsere alten Vespas haben die 2.222 Kilometer ohne technische Probleme absolviert. Keine Panne, kein Ausfall – und auch die zahlreichen Steigungen und die zweimalige Überquerung des Apennins haben sie problemlos bewältigt.

Auch das Wetter war deutlich besser, als wir es nach dem etwas unsicheren Start erwartet hatten. Abgesehen von einem Gewitter hatten wir überwiegend Sonne und sommerliche Temperaturen. Tatsächlich konnte ich die gesamte Reise in kurzer Hose absolvieren.

14 Tage Italien mit 125 Kubik

Hinter uns liegen 14 Tage Italien pur. Vom Brenner über Südtirol und den Gardasee, durch die Po-Ebene und über den Apennin, durch die Toskana bis nach Rom. Auf der Rückfahrt durch Umbrien, über Assisi und Gubbio, wieder über den Apennin zur Adria, weiter nach Ferrara, durch die Euganeischen Hügel und das Valsugana und schließlich zurück nach Südtirol und Tirol.

Mit einer 125er-Vespa reist man anders. Autobahnen fallen weg, Schnellstraßen versucht man möglichst zu vermeiden. Man fährt durch Orte, die man mit dem Auto wahrscheinlich umfahren würde, hält öfter an und bekommt ein anderes Gefühl für Entfernungen und Landschaften.

Nach zwei Wochen heißt es jetzt trotzdem: Helm ab, Gepäck runter und Vespas abstellen.

Zumindest vorläufig.

Etappe 11: Kursänderung – von Abano Terme – Padua – Bassano del Grappa – Valsugana – Levico – Martignano – Salurn 190 km

Nach unserer kurzen Thermenetappe steht heute eine Änderung des ursprünglichen Plans an. Eigentlich wollten wir von Abano Terme Richtung Cortina d’Ampezzo fahren. Das hätte allerdings bedeutet, am nächsten Tag mit unseren alten 125er-Vespas eine lange Etappe quer durch die Dolomiten bewältigen zu müssen. Darauf wollten wir verzichten. (Für stärkere Vespas und gut Fahrer jedoch jedenfalls machbar)

Also ändern wir die Route und nehmen Kurs auf das Valsugana. Von Abano geht es zunächst an Padua vorbei nach Bassano del Grappa.

Bassano del Grappa – Brücke, Grappa und Geschichte

In Bassano del Grappa legen wir einen längeren Zwischenstopp ein. Wahrzeichen der Stadt ist der überdachte hölzerne Ponte Vecchio, auch Ponte degli Alpini genannt, über die Brenta. Eine Brücke existiert an dieser Stelle bereits seit dem Mittelalter; ihre berühmte Konstruktion geht auf einen Entwurf Andrea Palladios aus dem 16. Jahrhundert zurück. Nach zahlreichen Zerstörungen wurde sie immer wieder aufgebaut und ist heute italienisches Nationaldenkmal. 

Eng verbunden ist Bassano natürlich auch mit dem Grappa. Die Stadt und ihre Umgebung besitzen eine lange Tradition der Destillation. Der Name der Stadt selbst leitet sich allerdings nicht vom Schnaps ab: Der Zusatz „del Grappa“ bezieht sich auf den nahe gelegenen Monte Grappa.

Durch das Valsugana

Von Bassano folgen wir der Brenta nordwärts ins Valsugana. Landschaftlich ist die Strecke reizvoll: Das Tal wird zunehmend enger, links und rechts steigen die bewaldeten Berge auf.

Für eine 125er-Vespa hat die Route allerdings einen Haken. Immer wieder sind wir auf die SS47 angewiesen. Dort treffen unsere gemütlichen Reisegeschwindigkeiten auf den Fernverkehr zwischen Trentino und Venetien. Wenn schwere Lkw mit entsprechendem Tempo an uns vorbeiziehen, ist das alles andere als angenehm.

Deutlich entspannter wird es rund um den Lago di Levico, der eingebettet zwischen den Bergen des Valsugana liegt.

Ein Wiedersehen in Martignano

Am Ende des Valsugana erreichen wir den Raum Trient und Martignano im Stadtbezirk Argentario, unsere Partnerstadt.

Hier gönnen wir uns noch einen kleinen nostalgischen Abstecher zur Villa Madruzzo. Mit diesem Haus verbinden wir beste Erinnerungen an frühere Gemeinderatsausflüge.

Anschließend umgehen wir die großen Verkehrsachsen so gut es geht und fahren über San Lazzaro, Lavis und Pressano weiter Richtung Norden. Unser Tagesziel ist Salurn, die südlichste Gemeinde Südtirols.

Übernachten in einem Haus mit besonderer Geschichte

Unser Quartier ist heute das Haus Noldin im historischen Zentrum von Salurn. Das ehemalige Jugendhaus ist heute Herberge und Kulturstätte.

Interessanter als die Unterkunft selbst ist allerdings die Geschichte ihres Namensgebers. Dr. Josef Noldin (1888–1929) war Rechtsanwalt in Salurn und wurde nach der Annexion Südtirols durch Italien zu einem der wichtigsten Vertreter des Widerstands gegen die faschistische Italianisierungspolitik. Als 1923 der deutschsprachige Schulunterricht verboten wurde, organisierte er gemeinsam mit Kanonikus Michael Gamper die sogenannten Katakombenschulen – geheimen Unterricht in deutscher Sprache. 

1927 wurde Noldin vom faschistischen Regime verhaftet und auf die süditalienische Insel Lipari verbannt. Ende 1928 durfte er gesundheitlich schwer angeschlagen nach Salurn zurückkehren. 1929 starb er mit nur 41 Jahren an den Folgen einer Erkrankung, die er sich während der Verbannung zugezogen hatte. Sein Geburtshaus wurde 1977 mit Unterstützung des Landes Tirol und des österreichischen Unterrichtsministeriums zum Jugendhaus umgebaut und entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Menschen aus Nord-, Ost- und Südtirol. 

Ferrara – Monselice – Arquà Petrarca – Euganeische Hügel – Abano Terme | ca. 100 km

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen – allerdings nicht ganz freiwillig. Eine verpflichtende Online-Schulung hält uns am Vormittag noch in Ferrara fest. Mit rund 100 Kilometern steht diesmal nur eine halbe Tagesetappe auf dem Programm.

Von Ferrara geht es zunächst wieder durch die Po-Ebene. Wie schon gestern sind die Straßen über weite Strecken schnurgerade. Felder, Kanäle und kleine Ortschaften begleiten uns Richtung Norden. Bei Monselice ändert sich das Landschaftsbild dann ziemlich abrupt: Vor uns tauchen die Euganeischen Hügel auf und nach den langen Geraden wird die Strecke endlich wieder abwechslungsreicher.

Arquà Petrarca und einer der großen Dichter Italiens

Gleich hinter Monselice liegt Arquà Petrarca ein hervorragend erhaltenes mittelalterliches Dorf in den Euganeischen Hügeln. Der Ort verdankt seinen heutigen Namen Francesco Petrarca (1304–1374), einem der bedeutendsten Dichter der italienischen Literatur. Gemeinsam mit Dante und Boccaccio zählt er zu den „drei Kronen“ der frühen italienischen Literatur und gilt mit seinem Canzoniere als einer der Wegbereiter des Humanismus.

Petrarca verbrachte ab 1370 seine letzten Lebensjahre in Arquà und starb hier 1374.

Wiedersehen mit Abano nach 20 Jahren

Durch die Euganeischen Hügel geht es weiter nach Abano Terme. Für mich ist es ein Wiedersehen nach rund 20 Jahren. Zuletzt war ich hier im Zuge des Venedig-Marathons. Damals hatte ich mir eigentlich vorgenommen, nicht allzu schnell wiederzukommen. Im Umfeld der vielen Seniorinnen und Senioren hatte ich mich seinerzeit etwas deplatziert gefühlt.

Wir beziehen unser Zimmer im Hotel Helvetia. Das Haus scheint – wie so manches große Kurhotel hier – seine Glanzzeit in den 1990er-Jahren erlebt zu haben. Überhaupt hat sich nach meinem Eindruck erstaunlich wenig verändert. Selbst die Badehaubenpflicht im Thermalbecken hat die vergangenen 20 Jahre unbeschadet überstanden.

80 Grad aus der Erde, 35 Grad im Becken

Abano ist seit der Antike für seine Thermalquellen bekannt. Das Wasser hat einen bemerkenswert langen Weg hinter sich: Niederschlagswasser aus den Voralpen gelangt bis zu 2.000 bis 3.000 Meter tief in den Untergrund, wird dabei geothermisch erwärmt und mit Mineralstoffen angereichert. Nach einem unterirdischen Weg von rund 80 Kilometern tritt es im Euganeischen Thermalgebiet mit Temperaturen von bis zu 87 Grad Celsius wieder an die Oberfläche. 

Für die Thermalbecken wird es auf wesentlich angenehmere 30 bis 35 Grad heruntergekühlt.  Und genau das genießen wir heute.

Wer Venedig nicht kennt oder liebt, könnte von hier aus einen raschen Abstecher dorthin machen.

NACHTRAG nach einem deprimierenden Stadtspaziergang: Abano – wir sehen uns in 20 Jahren

Was ich vor rund 20 Jahren über Abano gesagt habe, kann ich nach diesem Besuch weitgehend bestätigen: Viel hat sich nicht verändert. Nur dass ich selbst 20 Jahre älter bin und mich hier trotzdem erstaunlich jung fühle.

Das Publikum ist überwiegend fortgeschrittenen Alters, die Hotellerie vielerorts ebenso. Manches Haus versprüht noch immer den Charme jener Zeit, als Teppichboden, Messing und üppige Lobbylandschaften als letzter Schrei der gehobenen Hotellerie galten. Abano ist ein bisschen wie eine Zeitkapsel – nur mit Thermalwasser.

Wer am Abend ein nettes Lokal sucht, muss ebenfalls Durchhaltevermögen beweisen. Die großen Hotelbunker haben ihre Gäste offenbar fest im Griff. Halbpension scheint hier weniger Angebot als Lebenskonzept zu sein. Bei unserem Spaziergang gegen sieben Uhr sind die Straßen nahezu menschenleer. Dafür sieht man durch die großen Fenster der Hotels die Gäste in Reih und Glied an ihren Tischen sitzen. Ein wenig erinnert das Bild an eine sehr gepflegte Hühnerfarm – nur dass statt Körnern mehrgängige Abendmenüs serviert werden.

Ganz ohne Tiroler Begegnungen bleibt man selbst hier nicht. Schließlich bringen regelmäßig Bäderbusse Gäste aus der Heimat nach Abano. Man kennt sich, man grüßt sich – die Welt ist klein, selbst mitten im italienischen Thermaluniversum.

Und so kommen wir nach unserem Besuch zum Ergebnis: Abano wir sehen uns – frühestens in 20 Jahren. 😉

Gallo – Cattolica – Riccione – Rimini – Ravenna – Russi – Ferrara | ca. 215 km

Nach einem wunderbaren Frühstück in unserer Unterkunft in Gallo – besonders die handgemachten Kuchen bleiben in Erinnerung – starten wir zur neunten Etappe unserer Reise.

Schon nach etwa 20 Minuten sehen wir erstmals die Adria, nach rund 40 Minuten erreichen wir bei Cattolica die Küste. Von dort geht es nordwärts. In Riccione legen wir einen kurzen Stopp ein: Schuhe aus, Füße in den Sand und ins Meer – und dazu der mittlerweile obligatorische Aperol Spritz.

Viel Verkehr und eine ungeeignete SS16

Rund um Rimini wird die Fahrt deutlich mühsamer. Der Verkehr ist enorm. Den Kurven der vergangenen Tage im Apennin folgen nun unzählige Kreisverkehre in der Ebene.

Für kurze Zeit versuchen wir es auf der SS16 Adriatica. Schnell wird klar: Das ist keine Straße für unsere 125er-Vespas. Mehrspuriger Verkehr und die hohen Geschwindigkeiten der Autos machen die Fahrt unangenehm. Wir verlassen die SS16 deshalb wieder und suchen uns kleinere Ausweichstrecken abseits der großen Verkehrsachsen. Das dauert zwar länger, entspricht aber unserem Reisestil.

Über Ravenna und Russi geht es schließlich hinein in die Po-Ebene. Die Landschaft könnte kaum gegensätzlicher zu jener des Vortages sein. Statt Bergen und engen Kurven bestimmen nun kilometerlange Geraden und flaches Land die Strecke. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Ferrara.

Ferrara und die Adelsfamilie Este

Ferrara zählt zu den bedeutendsten Renaissancestädten Italiens. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die Adelsfamilie Este, die die Stadt vom 13. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts beherrschte. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Ferrara zu einem wichtigen politischen und kulturellen Zentrum. Davon zeugen bis heute das mächtige Castello Estense, zahlreiche Palazzi und die außergewöhnlich geschlossen erhaltene Altstadt. Die von den Este geplante Stadterweiterung Addizione Erculea gilt als Meilenstein der europäischen Stadtplanung; Ferraras historisches Zentrum gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Eine ganze Altstadt wird zur Bühne

Bei unserer Ankunft haben wir besonderes Glück: In Ferrara findet gerade das Ferrara Buskers Festival statt. Die 39. Ausgabe läuft vom 26. bis 30. August 2026 und verwandelt die Straßen und Plätze der Altstadt in eine große Freiluftbühne. Mehr als 250 Künstler aus 19 Nationen sind angekündigt, jeden Abend finden über 60 Auftritte statt. 

Musiker, Akrobaten, Jongleure und andere Straßenkünstler treten an unterschiedlichsten Plätzen auf. Das Besondere daran: Es gibt nicht die eine große Bühne. Man geht durch die Altstadt und stößt immer wieder auf neue Künstler und Darbietungen. Genau das ist das Prinzip: die Straße ist die Bühne.

Besonders begeistert uns die ungarische Formation Forbi, die ebenfalls im offiziellen Programm der diesjährigen Ausgabe aufscheint.  Bei Brass-Musik und den vielen unterschiedlichen Künstlern aus aller Welt erleben wir Ferrara an diesem Abend in einer Form, wie wir es bei der Reiseplanung nicht vorhersehen konnten.

Unsere Unterkunft, das Princess Art Hotel, liegt am Rand der historischen Altstadt und damit ideal, um nach der langen Fahrt noch einmal zu Fuß loszuziehen.

Am Ende stehen heute wieder rund 215 Kilometer auf dem Tacho.

Etappe 8: Von Todi über Assisi und Gubbio nach Gallo

Todi – Assisi – Gubbio – Urbino – Gallo

Nach den 37 Grad des Vortages starten wir heute bereits um 7 Uhr. Eine gute Entscheidung: Der Vormittag ist bewölkt und angenehm kühl – ideale Bedingungen für die Fahrt durch Umbrien.

Von Todi nach Assisi

Unser erstes Ziel ist Assisi. Die Strecke dorthin zählt landschaftlich zu den schönsten unserer gesamten Reise. Hügel, Felder, Olivenhaine und kleine Ortschaften prägen die Landschaft. Schon von Weitem sehen wir Assisi am Hang des Monte Subasio liegen.

Assisi ist vor allem wegen der Basilika San Francesco weltbekannt und zählt gemeinsam mit den franziskanischen Stätten zum UNESCO-Welterbe. Die weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt mit ihren hellen Natursteinfassaden prägt das Bild der Stadt.

Untrennbar mit Assisi verbunden ist Franz von Assisi (1181/82–1226). Als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers entschied er sich für ein Leben in Armut und Einfachheit und begründete den Franziskanerorden. Seine Haltung zu Frieden, Armut und Natur wirkt weit über die katholische Kirche hinaus. Sein Grab befindet sich in der Basilika San Francesco.

Über Gubbio Richtung Apennin

Von Assisi fahren wir weiter nach Gubbio. Die Landschaft wird bergiger und die Straßen kurviger. Wir nähern uns wieder dem Apennin.

Gubbio gehört zu den ältesten Städten Umbriens. Das antike Iguvium war bereits ein bedeutendes Zentrum der Umbrer. Seine Lage am Übergang über den Apennin machte den Ort über Jahrhunderte strategisch wichtig. Wenige Kilometer östlich verlief die römische Via Flaminia, die Rom mit der Adriaküste verband. Im frühen Mittelalter gewann die Stadt erneut an Bedeutung, als über diese Region die Verbindung zwischen Rom und den byzantinischen Gebieten an der Adria beziehungsweise Ravenna gesichert wurde.

Heute beeindruckt Gubbio vor allem durch sein geschlossenes mittelalterliches Stadtbild. Enge und steile Gassen führen hinauf zum mächtigen Palazzo dei Consoli, der weithin sichtbar über der Stadt steht.

Zum zweiten Mal über den Apennin

Von Gubbio geht es weiter Richtung Urbino und damit endgültig über den Apennin. Die Strecke verlangt unseren 125er-Vespas mit ihren Steigungen einiges ab. Schließlich erreichen wir die Marken – und sind froh, damit den Apennin zum zweiten Mal auf unserer Reise erfolgreich überquert zu haben.

Urbino zählt zu den bedeutendsten Renaissancestädten Italiens. Unter Federico da Montefeltro entwickelte sich die Stadt im 15. Jahrhundert zu einem Zentrum von Kunst, Architektur und Wissenschaft. Der mächtige Palazzo Ducale zeugt noch heute von dieser Epoche. Urbino ist außerdem Geburtsstadt des Renaissance-Malers Raffael und gehört seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Tagesziel Gallo

Nach rund 180 Kilometern erreichen wir unser Tagesziel Gallo di Petriano. Dort beziehen wir unser Quartier in der Locanda Da Ciacci, der guten Küche wegen.

Rom – Civita Castellana – Lago di Corbara – Todi | ca. 170 km

Nach zweieinhalb intensiven Tagen heißt es Abschied nehmen von Rom. Ein letztes Mal führt uns der Weg entlang der Mauern des Vatikans und vorbei an der Engelsburg.

Diesmal nehmen wir die SS3, die Via Flaminia, Richtung Norden. Nach dem dichten Verkehr Roms wird es zunehmend ruhiger. Olivenhaine und Hasselnusssträucher begleiten uns. Nur selten sehen wir Rebstöcke.

Einen Abstecher machen wir nach Civita Castellana, einer auf einem Tuffplateau gelegenen Stadt. Danach geht es weiter Richtung Umbrien. Die Landschaft wird zunehmend grüner und hügeliger. Über kleinere Orte und Straßen nähern wir uns dem Lago di Corbara, einem Stausee des Tibers.

Todi – eine Entdeckung

Schon die Anfahrt macht klar, dass Todi etwas Besonderes ist. Die Stadt liegt weithin sichtbar auf einem Hügel über dem Tibertal. Oben angekommen, eröffnet sich ein beeindruckender Blick über die umbrische Landschaft.

Todi blickt auf eine mehr als 2.000-jährige Geschichte zurück. Auf die Umbrer und Etrusker folgten die Römer; im Mittelalter entwickelte sich Todi zu einer bedeutenden freien Kommune. Das Zentrum bildet die Piazza del Popolo, umgeben vom Dom sowie den mittelalterlichen Stadtpalästen. Unter dem Platz befinden sich noch heute große römische Zisternen. Etwas außerhalb der Stadtmauern steht mit Santa Maria della Consolazione zudem einer der bedeutendsten Renaissancebauten Umbriens. 

Uns begeistert vor allem die Lage. Von den Aussichtspunkten der Altstadt reicht der Blick weit über die Hügel und Täler Umbriens. Nach dem Trubel von Rom ist Todi ein wohltuender Kontrast: überschaubar, ruhig und dennoch voller Geschichte.

Schwebende Felsen auf der Piazza

Und wir haben mit unserem Besuch besonderes Glück. Genau heute, am 28. August, wird auf der Piazza del Popolo ein neues Werk der polnischen Künstlerin Alicja Kwade eröffnet. Ihre monumentale Installation „ParaPosition“ ist rund sechs Meter hoch und sieben Meter breit. Zwei Rahmen aus Stahlträgern tragen zwei große Felsblöcke, die über dem Platz zu schweben scheinen. Darunter steht ein einzelner Stuhl. Das Kunstwerk beschäftigt sich mit Gewicht, Schwerkraft, Fragilität und unserer Wahrnehmung davon. 

Beim Betrachten kommt unweigerlich ein Gedanke an Schwaz auf: Wäre eine solche künstlerische Auseinandersetzung mit Fels, Schwerkraft und Bedrohung nicht auch eine Inspiration für unseren Eiblschrofen-Felssturz? Todi zeigt jedenfalls eindrucksvoll, wie zeitgenössische Kunst in einem historischen Stadtraum einen völlig neuen Akzent setzen kann.

Ein Abend unter Freunden

Der Tag endet schließlich so, wie ein guter Reisetag in Italien enden sollte: bei einem gemeinsamen Essen. In der Osteria Valle treffen wir Andrea, den Betreiber der Schwazaria in Schwaz.

Rom – zweieinhalb Tage in der Ewigen Stadt

Nach sechs Tagen auf der Vespa sind wir gut in Rom angekommen. Jetzt heißt es für zweieinhalb Tage: Vespas abstellen und die Stadt zu Fuß erkunden. Besonders schön ist, dass wir nun als Familie gemeinsam unterwegs sind. Und Rom macht es einem leicht, die Zeit zu vergessen – praktisch hinter jeder Ecke wartet ein Stück Geschichte.

Petersdom – Rom von ganz oben

Was bei einem Aufenthalt in Rom natürlich nicht fehlen darf, ist der Besuch des Petersdoms – und der ist tatsächlich gigantisch. Mit Michaela haben wir eine absolut profunde, wenn auch durchaus kirchenkritische Führerin gefunden. Das Angenehme daran: Sie ist nur mit uns vieren unterwegs, und so bekommen wir eine sehr persönliche Führung.

Der Petersdom entstand über dem vermuteten Grab des Apostels Petrus. An seinem Bau wirkten einige der bedeutendsten Künstler der Renaissance und des Barock mit, darunter Bramante, Michelangelo und Bernini. Die Dimensionen sind schwer zu erfassen: Die Kirche ist mehr als 200 Meter lang, und die Kuppel erreicht eine Höhe von rund 136 Metern.

Wir lassen uns den Dom ausführlich erklären und machen uns anschließend an den Aufstieg in die von Michelangelo entworfene Kuppel. Je weiter es hinaufgeht, desto enger und schräger werden die Gänge – bis wir schließlich ganz oben stehen. Der Blick über den Petersplatz und die Dächer Roms entschädigt für jede einzelne Stufe.

Danach geht es in die andere Richtung: hinunter zu den Papstgräbern unter dem Petersdom. Zum Abschluss besuchen wir noch den Campo Santo Teutonico, den kleinen deutschen Friedhof unmittelbar neben dem Petersdom. Eine erstaunlich ruhige Ecke mitten im Vatikan und ein starker Kontrast zu den Menschenmassen wenige Meter entfernt.

Pantheon, Trevi-Brunnen und Spanische Treppe

Natürlich gehört auch das Pantheon dazu. Der fast 2.000 Jahre alte römische Tempel wurde später zur Kirche und ist deshalb außergewöhnlich gut erhalten. Besonders beeindruckend ist die gewaltige Kuppel: In ihrer Mitte befindet sich das neun Meter breite Oculus, durch das tatsächlich auch der Regen ins Gebäude fällt.

Wesentlich jünger, aber nicht weniger bekannt, ist der Trevi-Brunnen. Der barocke Monumentalbrunnen wurde im 18. Jahrhundert vollendet und markiert den Endpunkt einer antiken römischen Wasserleitung. Ruhig ist es hier praktisch nie – aber Rom ohne Trevi-Brunnen wäre halt auch nicht ganz Rom.

Was mich begeistert ist Roms Wasserversorgung: An unzähligen öffentlichen Brunnen, den sogenannten Nasoni, kann man kostenlos bestes und angenehm kühles Trinkwasser zapfen. Schon die Römer leiteten Wasser über kilometerlange Aquädukte, die zu einem großen Teil unterirdisch verliefen, in die Stadt. Besonders bekannt ist die Aqua Virgo – die „Jungfrauenquelle“. Sie wurde bereits 19 v. Chr. unter Kaiser Augustus fertiggestellt und versorgt bis heute unter anderem den Trevi-Brunnen mit Wasser.

Weiter geht es zur Spanischen Treppe. Ihre 135 Stufen verbinden die Piazza di Spagna mit der Kirche Trinità dei Monti. Von dort führt unser Weg schließlich zur weitläufigen Piazza del Popolo, einem der großen historischen Eingänge in die Stadt. In ihrer Mitte steht ein ägyptischer Obelisk, der bereits unter Kaiser Augustus nach Rom gebracht wurde.

Kolosseum und Forum Romanum

Ein Höhepunkt ist natürlich das Kolosseum – wobei schon der Weg hinein fast mehr Geduld verlangt als die Besichtigung selbst.

Die Karten sind online bestellt, können aber nicht einfach online eingelöst werden. Also anstellen, um die Tickets abzuholen. Dort erfahren wir, dass genau diese Tickets hier nicht ausgegeben werden. Weiter zur nächsten Ausgabestelle. Dort müssen wir schließlich Personalausweise beziehungsweise Pässe vorzeigen und bekommen am Ende – trotz Online-Buchung – ein analoges Ticket in die Hand gedrückt. Moderne Digitalisierung auf römische Art.

Hat man diese Hürde geschafft, ist der Ärger allerdings schnell vergessen. Das Kolosseum wurde im ersten Jahrhundert nach Christus unter den flavischen Kaisern errichtet und bot Zehntausenden Menschen Platz. Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und öffentliche Spektakel fanden hier statt.

Direkt daneben liegt das Forum Romanum, über Jahrhunderte das politische, religiöse und gesellschaftliche Zentrum des Römischen Reiches. Vieles wurde später verschüttet, als Steinbruch verwendet oder für andere Bauwerke abgetragen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist es beeindruckend, zwischen den Resten von Tempeln, Triumphbögen und Basiliken zu stehen und sich vorzustellen, dass von hier aus einst ein Weltreich regiert wurde.

Vittoriano – Blick über das antike Rom

Kaum weniger monumental ist das Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II, meist einfach Vittoriano genannt. Das riesige weiße Monument wurde zu Ehren des ersten Königs des vereinigten Italien errichtet und dominiert die Piazza Venezia.

Von oben hat man einen ausgezeichneten Blick über Rom. Besonders schön ist die Aussicht Richtung Forum Romanum, Kolosseum und Palatin. Erst von hier oben bekommt man ein Gefühl dafür, wie eng das antike und das moderne Rom miteinander verwoben sind.

Engelsburg

Am zweiten Tag gönnen wir uns auch einen Besuch der Engelsburg. Ursprünglich wurde sie im 2. Jahrhundert als Mausoleum für Kaiser Hadrian errichtet. Später wurde aus dem Kaisergrab eine Festung und schließlich eine päpstliche Zuflucht. Über den sogenannten Passetto di Borgo war die Burg sogar direkt mit dem Vatikan verbunden, sodass sich Päpste bei Gefahr dorthin zurückziehen konnten.

Heute geht es wesentlich friedlicher zu. Von den oberen Terrassen bietet sich ein wunderbarer Blick über den Tiber, die Engelsbrücke und hinüber zum Petersdom.

Zweieinhalb Tage Rom

Rom ist laut, heiß (es hat weit über 30 Grad) voll und manchmal organisatorisch etwas gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig stolpert man hier ständig über zweitausend Jahre Geschichte.

Nach 50.000 Schritten freuen wir uns darauf bald wieder auf unseren Vespas zu sitzen und die Reise in Richtung Norden zu beginnen.

Etappe 6 – Cetona nach Rom: Ziel erreicht

Gut gestärkt durch ein Frühstück bei meiner Schwester machen wir uns auf zur letzten Etappe unserer Hinfahrt. Heute geht es von Cetona nach Rom. In der Nacht hat ein heftiges Gewitter die Gegend überzogen. Noch ahnen wir nicht, dass wir selbst in eines geraten werden.

Unterwegs wird der Himmel immer dunkler, bis das Gewitter schließlich mit voller Wucht losbricht. Zum Glück erwischt es uns nicht irgendwo auf offener Straße, sondern direkt vor einer Bar. Die „La Pantera“ – unsere Pantherbar – wird für die nächsten eineinhalb Stunden unser unfreiwilliges Zuhause. Es bleibt nichts anderes übrig, als bei Kaffee und Aperol zu warten, bis das Schlimmste vorbei ist.

Danach klart der Himmel langsam wieder auf und wir setzen unsere Fahrt Richtung Lago di Bolsena fort. Nach dem Gewitter zeigt sich die Landschaft wieder von ihrer freundlicheren Seite und wir genießen die Fahrt entlang des Sees.

Von dort machen wir noch einen Abstecher von etwa 15 Kilometern nach Civita di Bagnoregio. Der kleine Ort liegt spektakulär auf einem Tuffsteinfelsen und ist heute nur noch über eine lange Fußgängerbrücke erreichbar. Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit der Etrusker zurück. Durch die ständige Erosion des weichen Gesteins wurde Civita immer stärker von seiner Umgebung abgeschnitten und trägt deshalb auch den Beinamen „la città che muore“ – die sterbende Stadt. Schon der Blick auf den Ort mit seinen alten Häusern hoch über den Tälern ist den Umweg wert.

Danach geht es endgültig Richtung Rom. Wir erreichen die SS2 – die Via Cassia und folgen ihr über Viterbo und weiter nach Süden. Auch hier fährt ein Stück Geschichte mit: Die heutige SS2 folgt über weite Strecken der antiken Via Cassia, einer der bedeutenden römischen Fernstraßen. Sie verband Rom mit Etrurien und führte weiter Richtung Florenz.

Die letzten Kilometer ziehen sich. Nach sechs Tagen, vielen Kurven, Bergen, Hitze und heute auch noch einem ordentlichen Gewitter taucht schließlich Rom vor uns auf.

Gegen 18 Uhr, nach rund 220 Kilometern, ist es geschafft. Wir erreichen unser Apartment in unmittelbarer Nähe des Petersdoms. Die Vespas kommen in die Garage – und dort bleiben sie erst einmal stehen.

Wenig später treffen auch Max und Jakob ein. Die Familie ist vereint, Rom ist erreicht und mein Traum erfüllt.

Etappe 5 – Toskana pur: Pistoia nach Cetona

Der Tag beginnt mit einem Frühstück im Nachbargebäude unseres Hotels – in einer faszinierenden kleinen Pasticceria. Ein guter Kaffee, frisches Gebäck und italienisches Treiben rundherum: ein passender Start in einen Tag, der ganz im Zeichen der Toskana stehen sollte. Bevor wir Pistoia verlassen, bedanken wir uns noch im Boutique Hotel Palazzo 42 für das kostenlose Upgrade auf eine Suite. Ein wunderbarer Aufenthalt.

Dann geht es los. Unser heutiges Ziel ist Cetona im Süden der Toskana. Wir fahren zunächst Richtung Florenz und weiter durch die typische Hügellandschaft. Besonders die Gegend westlich und südwestlich von Florenz lässt das Herz höherschlagen: Weinberge, Olivenhaine, Zypressen, alte Gutshöfe und kleine Straßen, die sich durch die Hügel ziehen. Es sind diese Kilometer, die einem auf der Vespa begeistern.

Ein Abstecher führt uns nach San Gimignano. Wer den Ort noch nicht kennt, sollte ihn wohl einmal gesehen haben. Wer schon einmal hier war, könnte ihn bei einer nächsten Reise aber durchaus links liegen lassen. Die mittelalterliche Kulisse mit ihren berühmten Geschlechtertürmen ist beeindruckend, doch der Ort ist heillos mit Touristen überlaufen. Auch beim Café am Hauptplatz bleibt ein schaler Beigeschmack: Fünf Euro für einen Becher voller Eiswürfel mit einem kleinen Schuss Cola sind schon bemerkenswert. Da fragt man sich unweigerlich: Muss das sein? Lässt die Qualität nach, wenn die Gäste ohnehin kommen – oder ist es schlicht die Gier?

Wir lassen den Trubel hinter uns und fahren weiter, vorbei an Siena und hinunter nach Buonconvento. Die Landschaft verändert sich dabei immer wieder. Gerade das macht die Toskana aus: Sie besteht eben nicht nur aus den bekannten Postkartenmotiven mit Zypressen und sanften Hügeln, sondern zeigt auf relativ kurzer Strecke ganz unterschiedliche Gesichter.

Am Nachmittag führt uns die Straße weiter Richtung Süden. Nach rund 220 Kilometern und etwa sechs Stunden Fahrtzeit erreichen wir gegen 17 Uhr Cetona. Dort hat meine Schwester eine Villa gemietet, und nach den vielen Kilometern der vergangenen Tage fühlt es sich fast ein wenig wie Heimkommen an.

Die Vespa wird abgestellt, der Fahrtag ist vorbei und der Abend gehört der Familie. Bei einem gemeinsamen Essen lassen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren.