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Etappe 10 Ferrara – Abano

Ferrara – Monselice – Arquà Petrarca – Euganeische Hügel – Abano Terme | ca. 100 km

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen – allerdings nicht ganz freiwillig. Eine verpflichtende Online-Schulung hält uns am Vormittag noch in Ferrara fest. Mit rund 100 Kilometern steht diesmal nur eine halbe Tagesetappe auf dem Programm.

Von Ferrara geht es zunächst wieder durch die Po-Ebene. Wie schon gestern sind die Straßen über weite Strecken schnurgerade. Felder, Kanäle und kleine Ortschaften begleiten uns Richtung Norden. Bei Monselice ändert sich das Landschaftsbild dann ziemlich abrupt: Vor uns tauchen die Euganeischen Hügel auf und nach den langen Geraden wird die Strecke endlich wieder abwechslungsreicher.

Arquà Petrarca und einer der großen Dichter Italiens

Gleich hinter Monselice liegt Arquà Petrarca ein hervorragend erhaltenes mittelalterliches Dorf in den Euganeischen Hügeln. Der Ort verdankt seinen heutigen Namen Francesco Petrarca (1304–1374), einem der bedeutendsten Dichter der italienischen Literatur. Gemeinsam mit Dante und Boccaccio zählt er zu den „drei Kronen“ der frühen italienischen Literatur und gilt mit seinem Canzoniere als einer der Wegbereiter des Humanismus.

Petrarca verbrachte ab 1370 seine letzten Lebensjahre in Arquà und starb hier 1374.

Wiedersehen mit Abano nach 20 Jahren

Durch die Euganeischen Hügel geht es weiter nach Abano Terme. Für mich ist es ein Wiedersehen nach rund 20 Jahren. Zuletzt war ich hier im Zuge des Venedig-Marathons. Damals hatte ich mir eigentlich vorgenommen, nicht allzu schnell wiederzukommen. Im Umfeld der vielen Seniorinnen und Senioren hatte ich mich seinerzeit etwas deplatziert gefühlt.

Wir beziehen unser Zimmer im Hotel Helvetia. Das Haus scheint – wie so manches große Kurhotel hier – seine Glanzzeit in den 1990er-Jahren erlebt zu haben. Überhaupt hat sich nach meinem Eindruck erstaunlich wenig verändert. Selbst die Badehaubenpflicht im Thermalbecken hat die vergangenen 20 Jahre unbeschadet überstanden.

80 Grad aus der Erde, 35 Grad im Becken

Abano ist seit der Antike für seine Thermalquellen bekannt. Das Wasser hat einen bemerkenswert langen Weg hinter sich: Niederschlagswasser aus den Voralpen gelangt bis zu 2.000 bis 3.000 Meter tief in den Untergrund, wird dabei geothermisch erwärmt und mit Mineralstoffen angereichert. Nach einem unterirdischen Weg von rund 80 Kilometern tritt es im Euganeischen Thermalgebiet mit Temperaturen von bis zu 87 Grad Celsius wieder an die Oberfläche. 

Für die Thermalbecken wird es auf wesentlich angenehmere 30 bis 35 Grad heruntergekühlt.  Und genau das genießen wir heute.

Wer Venedig nicht kennt oder liebt, könnte von hier aus einen raschen Abstecher dorthin machen.

NACHTRAG nach einem deprimierenden Stadtspaziergang: Abano – wir sehen uns in 20 Jahren

Was ich vor rund 20 Jahren über Abano gesagt habe, kann ich nach diesem Besuch weitgehend bestätigen: Viel hat sich nicht verändert. Nur dass ich selbst 20 Jahre älter bin und mich hier trotzdem erstaunlich jung fühle.

Das Publikum ist überwiegend fortgeschrittenen Alters, die Hotellerie vielerorts ebenso. Manches Haus versprüht noch immer den Charme jener Zeit, als Teppichboden, Messing und üppige Lobbylandschaften als letzter Schrei der gehobenen Hotellerie galten. Abano ist ein bisschen wie eine Zeitkapsel – nur mit Thermalwasser.

Wer am Abend ein nettes Lokal sucht, muss ebenfalls Durchhaltevermögen beweisen. Die großen Hotelbunker haben ihre Gäste offenbar fest im Griff. Halbpension scheint hier weniger Angebot als Lebenskonzept zu sein. Bei unserem Spaziergang gegen sieben Uhr sind die Straßen nahezu menschenleer. Dafür sieht man durch die großen Fenster der Hotels die Gäste in Reih und Glied an ihren Tischen sitzen. Ein wenig erinnert das Bild an eine sehr gepflegte Hühnerfarm – nur dass statt Körnern mehrgängige Abendmenüs serviert werden.

Ganz ohne Tiroler Begegnungen bleibt man selbst hier nicht. Schließlich bringen regelmäßig Bäderbusse Gäste aus der Heimat nach Abano. Man kennt sich, man grüßt sich – die Welt ist klein, selbst mitten im italienischen Thermaluniversum.

Und so kommen wir nach unserem Besuch zum Ergebnis: Abano wir sehen uns – frühestens in 20 Jahren. 😉