Nach einem kurzen Frühstück verlassen wir Trient bei bestem Wetter. Über Sarche, Arco und Torbole geht es hinunter an den Gardasee. Entlang des Ostufers fahren wir Richtung Süden. In Bardolino legen wir eine Kaffeepause ein. Olivenhaine und kleine Orte ziehen vorbei, und je flacher die Landschaft wird, desto höher steigen die Temperaturen.
Über Peschiera und vorbei an Mantua erreichen wir nach rund 170 Kilometern Sabbioneta.
Sabbioneta ist eine kleine Renaissance-Planstadt, die im 16. Jahrhundert von Vespasiano Gonzaga errichtet wurde. Gemeinsam mit Mantua gehört sie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Familie Gonzaga prägte diese Gegend über Jahrhunderte politisch, kulturell und architektonisch.
Wir übernachten im Albergo Giulia Gonzaga, mitten im historischen Zentrum. Sabbioneta ist klein und überschaubar und von einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Mauer selbst kann man nicht begehen, dafür lässt sich die Altstadt außen gut umrunden. Das Mittagessen im Ristorante Pizzeria Bar Ducale war ein kulinarischer Hochgenuss und ist eine absolute Empfehlung.
Untertags wirken die Gassen beinahe menschenleer. Erst gegen Sonnenuntergang kommt langsam Leben in die Stadt. Die Leute verlassen ihre Häuser, treffen sich am Hauptplatz, und genießen den warmen Sommerabend.
Unsere zweite Etappe ist eigentlich nur die Fortsetzung der ersten. Ursprünglich hatten wir eine längere Tagesstrecke geplant, doch die Wetterlage hat unsere Planung verändert. Für den Nachmittag sind stärkere Regenfälle angekündigt. Deshalb wollen wir die rund 50 Kilometer von Auer nach Trient möglichst früh hinter uns bringen.
Nach einem sensationellen Frühstück im Turmwirt in Auer starten wir bereits um 8:30 Uhr.
Die ersten Kilometer führen uns durch die typische Landschaft des Südtiroler Unterlands. Links und rechts der Straße wechseln sich Apfelplantagen und Weingärten ab. Die Strecke ist zunächst angenehm zu fahren und wir kommen gut voran.
In der zweiten Hälfte der Fahrt erreicht uns allerdings der angekündigte Regen früher als erwartet. Besonders unangenehm ist, dass wir einen Teil der Strecke auf der Schnellstraße zurücklegen müssen. Bei Regen, nasser Fahrbahn und dem Spritzwasser kein besonderes Vergnügen. Entsprechend froh sind wir, als wir schließlich das Zentrum von Trient erreichen.
Dort beziehen wir eine kleine, feine Pension in zentraler Lage. Soul of Trento – Grand Lachman Palace. Die Art des Eincheckens ist allerdings gewohnheitsbedürftig. Einen Gastgeber bekommen wir nicht zu Gesicht. Anmeldung, Zugang und Check-in funktionieren ausschließlich online. Praktisch ist es, persönlich eher weniger.
Da unsere Vespas für heute Pause haben, nutzen wir den restlichen Tag für einen Rundgang durch Trient. Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Unser Weg führt uns zum Dom und durch die Straßen und Plätze des historischen Zentrums.
Alte Verbindungen zwischen Schwaz und Trient
Trient ist für uns nicht nur ein Etappenziel auf dem Weg nach Rom. Zwischen Schwaz und Trient bestehen seit Jahrhunderten historische Verbindungen. Eine davon führt zum Geschlecht der Frundsberger, das eng mit Schwaz verbunden war. Ulrich von Frundsberg wurde Ende des 15. Jahrhunderts Fürstbischof von Trient und übte dieses Amt von 1488 bis zu seinem Tod 1493 aus. Er wurde im Dom von Trient beigesetzt. (Wikipedia)
Auch in der Gegenwart gibt es enge Kontakte. Schwaz pflegt eine Partnerschaft mit dem Trienter Stadtteil Argentario. Interessant ist dabei bereits der Name: Argentario bedeutet sinngemäß „Silberberg“ – eine passende Verbindung zur Silberstadt Schwaz. Ausgangspunkt der modernen Kontakte war unter anderem eine Schulpartnerschaft zwischen der Johannes-Messner-Schule in Schwaz und der Schule R. Zandonai in Martignano. 1999 wurde ein Freundschaftsprotokoll zwischen Schwaz und Argentario unterzeichnet, später wurde die Partnerschaft weiter vertieft. (Comune di Trento)
Die schulischen Kontakte werden bis heute weitergeführt und ausgebaut. Auch zwischen der HAK Schwaz und einer Schule in Trient gibt es aktuelle Bemühungen um eine Euregio-Schulpartnerschaft und einen regelmäßigen Schüleraustausch. (hak-schwaz.at)
Der Dom von Trient
Ein Fixpunkt unseres Stadtrundgangs ist der Dom San Vigilio. Seine Geschichte reicht weit zurück. Unter dem heutigen Dom befinden sich die Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem späten 4. Jahrhundert. Auch der heilige Vigilius, Bischof und Schutzpatron von Trient, wurde hier bestattet. (Cultura Trentino)
Seine große historische Bedeutung erhielt der Dom vor allem durch das Konzil von Trient, das von 1545 bis 1563 dauerte und zu den wichtigsten Ereignissen der katholischen Kirchengeschichte zählt. Im Dom fanden bedeutende Sitzungen statt; hier wurden am Ende des Konzils auch dessen Dekrete feierlich verkündet. (Cultura Trentino)
Warum steht Neptun mitten in Trient?
Direkt vor dem Dom fällt auf der Piazza del Duomo der große Neptunbrunnen ins Auge. Ein Meeresgott mitten in einer Alpenstadt wirkt zunächst etwas ungewöhnlich.
Der Brunnen entstand im 18. Jahrhundert und hatte neben seiner repräsentativen Funktion einen sehr praktischen Zweck: Er sollte die Stadt mit sauberem, ständig fließendem Wasser versorgen. Der Zusammenhang mit Neptun dürfte auch ein Wortspiel sein. Der römische Name Trients lautet Tridentum – und der Dreizack, italienisch „tridente“, ist bekanntlich das wichtigste Attribut des Meeresgottes Neptun. Die heutige Neptunfigur auf dem Brunnen ist eine Bronzekopie; das Original wurde zum Schutz an einen anderen Ort gebracht. (YouTube)
Damit endet unsere kurze zweite Etappe nach nur rund 50 Kilometern auf der Vespa, dafür mit deutlich mehr Kilometern zu Fuß.
Für morgen sieht der Wetterbericht wesentlich besser aus. Das ist auch notwendig, denn nun soll unsere Reise wieder richtig Fahrt aufnehmen: Von Trient geht es entlang dem Gardasee und anschließend weiter Richtung Süden nach Sabbiato.
NeptunbrunnenDom zu TrientSoul of Trento – Lachman
Etappe 1: Von Schwaz nach Auer – Der erste Tag Richtung Rom
Donnerstag | ca. 180 km | Schwaz – Brenner – Bozen – Tramin – Auer
Eigentlich sollte unsere Vespa-Reise nach Rom erst am Freitag beginnen. Der Wetterbericht machte uns allerdings einen Strich durch die Planung: Für Freitag waren starke Gewitter und ergiebiger Regen vorhergesagt. Also entschieden wir uns kurzfristig, bereits am Donnerstag zu starten.
Um 7 Uhr morgens geht es in Schwaz los. Die Vespas sind gepackt und die erste Etappe führt uns zunächst Richtung Innsbruck und anschließend über die alte Römerstraße Richtung Brenner. Wir wollen auf unserer Reise nach Rom möglichst abseits der Autobahn unterwegs sein und die Strecke bewusst auf kleineren Straßen zurücklegen.
Bis zum Brenner spielt das Wetter noch recht gut mit. Es ist heiter und die Straßenverhältnisse passen. Am Brenner ändert sich das allerdings: Auf der italienischen Seite beginnt es zu regnen. Also Regenkleidung an und weiter.
Vom Brenner fahren wir auf der Bundesstraße durch Südtirol hinunter Richtung Bozen. Über Sterzing und Brixen geht es stetig südwärts. Trotz des Regens kommen wir gut voran und mit jedem Kilometer Richtung Bozen wird das Wetter wieder angenehmer.
Ab Bozen nehmen wir nicht den schnellsten Weg nach Süden, sondern fahren über die Südtiroler Weinstraße weiter. Nach den Kilometern über den Brenner ist das ein deutlicher Landschaftswechsel: Weinberge, Obstgärten und kleine Ortschaften bestimmen nun die Strecke.
Kurz vor unserem Tagesziel machen wir noch einen besonderen Zwischenstopp in Tramin, der Partnergemeinde von Schwaz. Wenn wir schon mit der Vespa praktisch vor der Haustür vorbeifahren, wollen wir natürlich nicht einfach durchfahren. Also stellen wir die Vespas bei der Gemeinde ab und klopfen beim Bürgermeister Wofgang Oberhofer an, der und uns auch empfängt.
Anschließend nehmen wir die letzten Kilometer nach Auer in Angriff. Dort finden wir mit dem Turmwirt eine Unterkunft für die erste Nacht.
Und noch ein Tipp: Wer Hirtennudeln liebt ist im GH Waldthaler in Auer bestens aufgehoben.
Nach rund 180 Kilometern ist damit unsere erste Etappe geschafft. Vom Start in Schwaz über die alte Römerstraße und den Brenner bis nach Südtirol hat der erste Tag bereits einiges geboten – einschließlich des ersten Regens der Reise.
Die Entscheidung, wegen der angekündigten Gewitter einen Tag früher aufzubrechen, war jedenfalls richtig.
Etappe 1 geschafft: Schwaz → Auer, ca. 180 Kilometer.
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