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Etappe 12: Die letzte Etappe – zurück nach Schwaz

Salurn – Tramin – St. Michael – Bozen – Brixen – Brenner – Schwaz

Unsere zwölfte und letzte Etappe. Von Salurn geht es zurück nach Schwaz. Ab hier wird wieder Deutsch gesprochen. Wir sind in Südtirol angekommen – und damit der Heimat bereits ein gutes Stück näher.

Für die Fahrt Richtung Norden wählen wir eine Strecke, die wir mittlerweile gut kennen. Über die Südtiroler Weinstraße geht es Richtung Tramin und weiter nach Bozen.

Ein Abstecher nach St. Michael/Eppan darf dabei nicht fehlen. Das Dorf liegt eingebettet zwischen Weinbergen und Obstgärten und gehört zu den klassischen Orten entlang der Südtiroler Weinstraße. Noch einmal nehmen wir uns Zeit, bevor wir endgültig Kurs Richtung Brenner nehmen.

Überraschung in Brixen

In Brixen erwartet uns eine besondere Überraschung. Eine kleine Gruppe Schwazer Vespa-Freunde ist uns entgegengefahren und begrüßt uns dort. Aus unserer Zweiergruppe wird damit für die letzten Kilometer eine kleine Vespa-Runde. Gemeinsam gehen wir noch einmal italienisch essen.

Ein letztes Mal über den Brenner

Von Brixen fahren wir auf der Brennerstaatsstraße nordwärts. Sterzing, Brenner – Orte, die wir vor zwei Wochen bereits in der anderen Richtung passiert haben.

Auf Tiroler Seite geht es wieder über die alte Römerstraße Richtung Volders und schließlich weiter nach Schwaz. Damit schließt sich der Kreis genau dort, wo unsere Reise begonnen hat.

2.222 Kilometer

Als wir schließlich in Schwaz ankommen, zeigt unser Kilometeranzeiger genau 2222 km.

Vor allem sind wir dankbar, dass die gesamte Reise praktisch reibungslos verlaufen ist. Unsere alten Vespas haben die 2.222 Kilometer ohne technische Probleme absolviert. Keine Panne, kein Ausfall – und auch die zahlreichen Steigungen und die zweimalige Überquerung des Apennins haben sie problemlos bewältigt.

Auch das Wetter war deutlich besser, als wir es nach dem etwas unsicheren Start erwartet hatten. Abgesehen von einem Gewitter hatten wir überwiegend Sonne und sommerliche Temperaturen. Tatsächlich konnte ich die gesamte Reise in kurzer Hose absolvieren.

14 Tage Italien mit 125 Kubik

Hinter uns liegen 14 Tage Italien pur. Vom Brenner über Südtirol und den Gardasee, durch die Po-Ebene und über den Apennin, durch die Toskana bis nach Rom. Auf der Rückfahrt durch Umbrien, über Assisi und Gubbio, wieder über den Apennin zur Adria, weiter nach Ferrara, durch die Euganeischen Hügel und das Valsugana und schließlich zurück nach Südtirol und Tirol.

Mit einer 125er-Vespa reist man anders. Autobahnen fallen weg, Schnellstraßen versucht man möglichst zu vermeiden. Man fährt durch Orte, die man mit dem Auto wahrscheinlich umfahren würde, hält öfter an und bekommt ein anderes Gefühl für Entfernungen und Landschaften.

Nach zwei Wochen heißt es jetzt trotzdem: Helm ab, Gepäck runter und Vespas abstellen.

Zumindest vorläufig.

Etappe 11: Kursänderung – von Abano Terme – Padua – Bassano del Grappa – Valsugana – Levico – Martignano – Salurn 190 km

Nach unserer kurzen Thermenetappe steht heute eine Änderung des ursprünglichen Plans an. Eigentlich wollten wir von Abano Terme Richtung Cortina d’Ampezzo fahren. Das hätte allerdings bedeutet, am nächsten Tag mit unseren alten 125er-Vespas eine lange Etappe quer durch die Dolomiten bewältigen zu müssen. Darauf wollten wir verzichten. (Für stärkere Vespas und gut Fahrer jedoch jedenfalls machbar)

Also ändern wir die Route und nehmen Kurs auf das Valsugana. Von Abano geht es zunächst an Padua vorbei nach Bassano del Grappa.

Bassano del Grappa – Brücke, Grappa und Geschichte

In Bassano del Grappa legen wir einen längeren Zwischenstopp ein. Wahrzeichen der Stadt ist der überdachte hölzerne Ponte Vecchio, auch Ponte degli Alpini genannt, über die Brenta. Eine Brücke existiert an dieser Stelle bereits seit dem Mittelalter; ihre berühmte Konstruktion geht auf einen Entwurf Andrea Palladios aus dem 16. Jahrhundert zurück. Nach zahlreichen Zerstörungen wurde sie immer wieder aufgebaut und ist heute italienisches Nationaldenkmal. 

Eng verbunden ist Bassano natürlich auch mit dem Grappa. Die Stadt und ihre Umgebung besitzen eine lange Tradition der Destillation. Der Name der Stadt selbst leitet sich allerdings nicht vom Schnaps ab: Der Zusatz „del Grappa“ bezieht sich auf den nahe gelegenen Monte Grappa.

Durch das Valsugana

Von Bassano folgen wir der Brenta nordwärts ins Valsugana. Landschaftlich ist die Strecke reizvoll: Das Tal wird zunehmend enger, links und rechts steigen die bewaldeten Berge auf.

Für eine 125er-Vespa hat die Route allerdings einen Haken. Immer wieder sind wir auf die SS47 angewiesen. Dort treffen unsere gemütlichen Reisegeschwindigkeiten auf den Fernverkehr zwischen Trentino und Venetien. Wenn schwere Lkw mit entsprechendem Tempo an uns vorbeiziehen, ist das alles andere als angenehm.

Deutlich entspannter wird es rund um den Lago di Levico, der eingebettet zwischen den Bergen des Valsugana liegt.

Ein Wiedersehen in Martignano

Am Ende des Valsugana erreichen wir den Raum Trient und Martignano im Stadtbezirk Argentario, unsere Partnerstadt.

Hier gönnen wir uns noch einen kleinen nostalgischen Abstecher zur Villa Madruzzo. Mit diesem Haus verbinden wir beste Erinnerungen an frühere Gemeinderatsausflüge.

Anschließend umgehen wir die großen Verkehrsachsen so gut es geht und fahren über San Lazzaro, Lavis und Pressano weiter Richtung Norden. Unser Tagesziel ist Salurn, die südlichste Gemeinde Südtirols.

Übernachten in einem Haus mit besonderer Geschichte

Unser Quartier ist heute das Haus Noldin im historischen Zentrum von Salurn. Das ehemalige Jugendhaus ist heute Herberge und Kulturstätte.

Interessanter als die Unterkunft selbst ist allerdings die Geschichte ihres Namensgebers. Dr. Josef Noldin (1888–1929) war Rechtsanwalt in Salurn und wurde nach der Annexion Südtirols durch Italien zu einem der wichtigsten Vertreter des Widerstands gegen die faschistische Italianisierungspolitik. Als 1923 der deutschsprachige Schulunterricht verboten wurde, organisierte er gemeinsam mit Kanonikus Michael Gamper die sogenannten Katakombenschulen – geheimen Unterricht in deutscher Sprache. 

1927 wurde Noldin vom faschistischen Regime verhaftet und auf die süditalienische Insel Lipari verbannt. Ende 1928 durfte er gesundheitlich schwer angeschlagen nach Salurn zurückkehren. 1929 starb er mit nur 41 Jahren an den Folgen einer Erkrankung, die er sich während der Verbannung zugezogen hatte. Sein Geburtshaus wurde 1977 mit Unterstützung des Landes Tirol und des österreichischen Unterrichtsministeriums zum Jugendhaus umgebaut und entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Menschen aus Nord-, Ost- und Südtirol.