Etappe 11: Kursänderung – von Abano Terme – Padua – Bassano del Grappa – Valsugana – Levico – Martignano – Salurn 190 km
Nach unserer kurzen Thermenetappe steht heute eine Änderung des ursprünglichen Plans an. Eigentlich wollten wir von Abano Terme Richtung Cortina d’Ampezzo fahren. Das hätte allerdings bedeutet, am nächsten Tag mit unseren alten 125er-Vespas eine lange Etappe quer durch die Dolomiten bewältigen zu müssen. Darauf wollten wir verzichten. (Für stärkere Vespas und gut Fahrer jedoch jedenfalls machbar)
Also ändern wir die Route und nehmen Kurs auf das Valsugana. Von Abano geht es zunächst an Padua vorbei nach Bassano del Grappa.
Bassano del Grappa – Brücke, Grappa und Geschichte
In Bassano del Grappa legen wir einen längeren Zwischenstopp ein. Wahrzeichen der Stadt ist der überdachte hölzerne Ponte Vecchio, auch Ponte degli Alpini genannt, über die Brenta. Eine Brücke existiert an dieser Stelle bereits seit dem Mittelalter; ihre berühmte Konstruktion geht auf einen Entwurf Andrea Palladios aus dem 16. Jahrhundert zurück. Nach zahlreichen Zerstörungen wurde sie immer wieder aufgebaut und ist heute italienisches Nationaldenkmal.
Eng verbunden ist Bassano natürlich auch mit dem Grappa. Die Stadt und ihre Umgebung besitzen eine lange Tradition der Destillation. Der Name der Stadt selbst leitet sich allerdings nicht vom Schnaps ab: Der Zusatz „del Grappa“ bezieht sich auf den nahe gelegenen Monte Grappa.
Durch das Valsugana
Von Bassano folgen wir der Brenta nordwärts ins Valsugana. Landschaftlich ist die Strecke reizvoll: Das Tal wird zunehmend enger, links und rechts steigen die bewaldeten Berge auf.
Für eine 125er-Vespa hat die Route allerdings einen Haken. Immer wieder sind wir auf die SS47 angewiesen. Dort treffen unsere gemütlichen Reisegeschwindigkeiten auf den Fernverkehr zwischen Trentino und Venetien. Wenn schwere Lkw mit entsprechendem Tempo an uns vorbeiziehen, ist das alles andere als angenehm.
Deutlich entspannter wird es rund um den Lago di Levico, der eingebettet zwischen den Bergen des Valsugana liegt.
Ein Wiedersehen in Martignano
Am Ende des Valsugana erreichen wir den Raum Trient und Martignano im Stadtbezirk Argentario, unsere Partnerstadt.
Hier gönnen wir uns noch einen kleinen nostalgischen Abstecher zur Villa Madruzzo. Mit diesem Haus verbinden wir beste Erinnerungen an frühere Gemeinderatsausflüge.
Anschließend umgehen wir die großen Verkehrsachsen so gut es geht und fahren über San Lazzaro, Lavis und Pressano weiter Richtung Norden. Unser Tagesziel ist Salurn, die südlichste Gemeinde Südtirols.
Übernachten in einem Haus mit besonderer Geschichte
Unser Quartier ist heute das Haus Noldin im historischen Zentrum von Salurn. Das ehemalige Jugendhaus ist heute Herberge und Kulturstätte.
Interessanter als die Unterkunft selbst ist allerdings die Geschichte ihres Namensgebers. Dr. Josef Noldin (1888–1929) war Rechtsanwalt in Salurn und wurde nach der Annexion Südtirols durch Italien zu einem der wichtigsten Vertreter des Widerstands gegen die faschistische Italianisierungspolitik. Als 1923 der deutschsprachige Schulunterricht verboten wurde, organisierte er gemeinsam mit Kanonikus Michael Gamper die sogenannten Katakombenschulen – geheimen Unterricht in deutscher Sprache.
1927 wurde Noldin vom faschistischen Regime verhaftet und auf die süditalienische Insel Lipari verbannt. Ende 1928 durfte er gesundheitlich schwer angeschlagen nach Salurn zurückkehren. 1929 starb er mit nur 41 Jahren an den Folgen einer Erkrankung, die er sich während der Verbannung zugezogen hatte. Sein Geburtshaus wurde 1977 mit Unterstützung des Landes Tirol und des österreichischen Unterrichtsministeriums zum Jugendhaus umgebaut und entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Menschen aus Nord-, Ost- und Südtirol.





















