Touren und Wanderrungen in Tirol

Traktor am Vomperberg

„Der Anfang ist die Hälfte des Weges“ – unterwegs in der Silberregion Karwendel

Manchmal braucht es nur einen einzigen Satz, um etwas in Bewegung zu setzen. Auf einer schlichten Erholungsbank des Tourismusverbandes Silberregion Karwendel steht geschrieben: „Der Anfang ist die Hälfte des Weges.“ Genau dieser Gedanke war der Impuls, meinen Wanderblog „Es geht doch“ wieder aufleben zu lassen – und was liegt näher, als direkt vor der eigenen Haustür zu beginnen?

Mein Ausgangspunkt ist die Stadt Schwaz, einst durch den Silberbergbau zu Reichtum gelangt und bis heute ein geschichtsträchtiger Ort. Wer mit dem Zug anreist, kann die rund 14 Kilometer lange Rundtour bequem am Bahnhof starten. Von dort führt der Weg – nach Unterführung – hinüber Richtung Vomp und weiter zum eindrucksvollen Stift Fiecht.

Das ehemalige Benediktinerkloster, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, ist ein Ort der Ruhe und Geschichte. Einst als Einsiedelei am Georgenberg gegründet, entwickelte es sich zu einem bedeutenden religiösen Zentrum Tirols. Heute ist das Kloster verwaist da sich deren Mönche wieder auf den Georgenberg zurückgezogen haben.

Von Fiecht aus beginnt der sanfte Anstieg Richtung Georgenberg. Wer es naturnah mag, wählt statt der Straße einen idyllischen Waldweg, der nahezu bis zum Parkplatz Weng führt. Von dort folgt man den Wegweisern in Richtung Bärenrast/Stallen.

Kurz vor der Bärenrast zweigt links der Alpsteig ab – ein ruhiger, wenig begangener Pfad, der flach zum Vomperberg führt. Von dort eröffnen sich immer wieder weite Ausblicke hinunter ins Inntal und auf die Silberstadt.

Anstatt am Ende des Alpsteigs der Rodelbahn ins Tal zu folgen, empfiehlt es sich  hinaus auf die üppigen Wiesen des Vomperbergs zu treten, ein Hochplateau, das ein beeindruckendes Panorama auf die Tuxer Alpen bietet.

Ungewöhnlich wird es bei der sogenannten Gralsiedlung – einer kleinen religiösen Gemeinschaft, die sich hier niedergelassen hat. Die Gralsbewegung ist eine Glaubensgemeinschaft, deren Anhänger sich am Werk Im Lichte der Wahrheit. Gralsbotschaft orientieren, das von Oskar Ernst Bernhardt (1875–1941) unter dem Pseudonym Abd-ru-shin veröffentlicht wurde. Der Weg führt an seinem Grabmal vorbei – einer für Tirol untypischen Pyramide. Vorbei am Glockenturm der Siedlung gelangt man über einen kleinen Steig schließlich wieder Richtung Vomp und zurück zum Ausgangspunkt.

Diese Tour ist leicht zu bewältigen und eignet sich auch für Familien – besonders, wenn man den letzten Abstieg über die Straße statt durch den Wald wählt. Sie ist Teil der sogenannten Stallenwanderung und erschließt auf angenehme Weise die Randbereiche des Naturparks Karwendel.

Es braucht nicht immer spektakuläre Gipfel oder lange Anreisen. Manchmal reicht ein erster Schritt – Denn: Der Anfang ist tatsächlich schon die Hälfte des Weges.

Eine leichte Wanderrung von der Bärenrast zur Stallen Alm. Gehzeit ca. eine Stunde.

Wer die Tour nicht vom Inntal aus (Vomp oder Stans) beginnen möchte, fährt mit dem Auto über den Ortsteil Fiecht in die Weng (Parkplatz für St. Georgenberg) und von dort weiter zur Bärenrast. Von dort geht es leicht ansteigend, auf einer aufgelassenen Forststraße, zum Stallenboden und zur Stallen Alm. Leider ist die Alm seit einigen Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Die kurze Tour ist auch für Familien bestens geeignet und man gewinnt einen guten Eindruck von der Schroffheit und Mächtigkeit des Karwendels.

Die kürzeste Etappe meiner Route, auf der ich von meinem Mitarbeiter Sebastian und meiner Schwester Andrea begleitet werde. Beim Frühstück, mit herrlichem Blick auf den Schlegeisspeicher, ist die Stimmung bei den deutschen Gästen betrübt, haben sie doch gestern bei der EM gegen Spanien verloren. 

Die Dominikushütte ist privat, ein Alpenvereinsausweis nützt hier nichts. Heiko der Hüttenwirt ist jedoch  sehr zuvorkommend und das Essen ist perfekt. Meine Schwester und ich haben ein Zimmer im dazugehörigen Gästehaus bekommen. Top Zimmer, wenn auch saukalt. Dafür warm Duschen so lange man möchte 😀.

Wieder herrscht optimales Wanderwetter. Der Aufstieg ist in 2 h erledigt. Oben angekommen, erkennt man mich, und da bereits auf italienischer Seite gehen ein paar Flaschen Lugano gemeinsam mit der Chefin des TVB Silberregion Karwendel Elisabeth Frontul, ihrem Mann Martin und ihrer Schwester.

Auf Grund einer Gewitterwarnung steigen sie gegen 13:30 ab und ich bliebe alleine zurück. Zeit die Wäsche zu waschen und mich frisch zu machen. 

Tag 4 auf dem Weg zum Meer. Heute gehts bergab.

Nachdem die Friesenbergscharte noch nicht begehbar ist, muss ich umplanen. Ärgerlich, da ich nun ,um im Zeitplan zu bleiben, auf einen Bus zurückgreifen muss. Hätte ich das früher gewusst, wär ich schon am zweiten Tag nach Lanersbach gegangen. Da Sicherheit vorgeht steige ich heute nach Hintertux ab (6km, 2 Stunden) und dann mit dem Bus nach Mayrhofen und weiter zum Schlegeisspecher bzw.zur Domenikushütte. Zur Überraschung besuchen mich dort meine Frau und Schwester! ♥️

Unterwex auf dem Weg zum Meer. Die heutige Etappe lehrt mich Respekt und Demut vor dem Berg und dass nur der nächste Schritt zählt.

Der Weg von der Lizumer Hütte auf das Tuxerjoch Haus führt über das Geierjoch, dem Junsee und den Geschützspitzsattel. Statt der veranschlagten 6h benötige ich knapp 9 h für die knapp 13 Kilometer. Schuld daran sind die vielen Schneefelder, die ich queren muss und die Erosion mit teils verbrochenen Wegen auf der Südseite. Mein Respekt gilt den Wegemachern und Erhaltern. Jeden Schritt stampfe ich 4-5x in den Schnee um nur ja nicht auszurutschen. Das strengt an. Ich bin heuer erst der zweite, der diese Route gewählt hat. Der Schnee liegt dieses Jahr ungewöhnlich lange und selbst der Junsee ist, jetzt Anfang Juli, noch gefroren. Am extremsten ist das Schneefeld knapp unter dem Geschützspitzsattel.

Ich bin froh als ich das Weitental erreiche und gemütlich den Anstieg auf das TuxerJochHaus in Angriff nehme. Es ist die erste Hütte mit Selbstbedienung. Anstelle eines Frühstück-Buffets sind hier Brot-, Wurst,- und Käsescheiben genau abgezählt. (Ich bin im Zillertal 😀). 

Unterwex ans Meer. Von der Weidener Hütte über das Geisljoch zur Lizummerhütte

Die Nacht über regnet es, hört aber gegen 7:30 auf. Die Hüttenwirte meinen, dass es bei Nässe besser wäre, nicht den direkten Weg über die Krovenz Alm zu nehmen, sondern jenen über das Geisljoch. Ersterer sei wegen der vielen Wurzeln bei Regen sehr rutschig. Ich gehe also über das Geisljoch, was am Ende 5 km mehr bedeutet. Ich würde jeden Wanderer die direkte Route nahelegen, auch weil der Abstieg von der Hippoldspitze auf einem Teilstück durchaus fordernd ist. Die Wege sind heute alle matschig, teilweise ein Rinnsal und manchmal sogar ein kleiner Bach. Man ist, wie beim Tempelhüpfen, steht’s bemüht von Stein zu Stein im Trockenen zu bleiben. Ansonsten wandert man zu diese Jahreszeit durch Hänge voller blühender Almrosen.

Fernsicht ist heute keine, wenn die Wolken jedoch für wenige Augenblicke die Berge freigeben ist das sehr erhebend. Bekomme in der Lizumer Hütte wieder ein Einzelzimmer 😀👍.
Nachdem nicht klar ist ob die Friesenbergscharte (übermorgen) begehbar ist, suche ich nach Alternativen. Morgen im Tuxerjoch Haus wird man mir mehr sagen können. 

Tipp: Wer zu 100% auf Hilfsmittel verzichten möchte sollte sich frühzeitig erkundigen, ob die Friesenbergscharte begehbar ist. (Bei mir war das Anfang Juli 2024 nicht der Fall). Eine Umgehung ist zwar möglich, bedarf jedoch eines zusätzlichen Tourentages. Um im Zeitplan zu bleiben war ich gezwungen nach Hintertux abzusteigen und mit dem Bus zum Schlegeisspeicher (Domikushütte) zu fahren.

UNTERWEX ANS MEER

Genialer Tag zum Beginn. Die Temperatur ist mit 15 Grad ideal zum Wandern. Sonne, Nebel und Wolken wechseln sich ab. Die Route führt meist über gut befestigte Schotterstraßen und der TVB Silberregion Karwendel hat, was die Beschilderung betrifft, ganze Arbeit geleistet. Verlaufen so gut wie unmöglich. Für die 21 km / 1500 hm brauche ich etwas mehr als 5h 30. Der Empfang in der Weidener Hütte ist herzlich, das Essen reichlich. Ich bekomme ein Zimmer für mich. Ich denke alleine zu sein, als am Nebentisch die Frage auftritt: Is des nit der Wex? Sitze sodann am Stammtisch mit ein paar Weerberger Mountainbiker. Fernseher für das EM Spiel Österreich vers. Türkei gibt’s leider keinen.

Dankbar in einem so schönen Land leben zu dürfen. Alle hier zusehenden Impressionen habe ich von meiner Haustüre aus (Schwaz) zu Fuß erreicht!

Musterbild ans Mehr

Ein wenig Training zur Vorbereitung kann nicht schaden und ich erwandere meine unmittelbare Umgebung. Mit dem Silberpfad hat die Silberregion Karwendel einen erlebnisreichen Weitwanderweg geschaffen.

Wenn die Sonne lacht….